Hermes


Hermes
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Sohn des Zeus* und der Pleiade* Maia, erfindungsreich, wendig und verschlagen. Noch am Tag seiner Geburt kletterte er aus der Wiege, fand eine Schildkröte und bastelte sich ein Musikinstrument, als dessen Resonanzboden ihr Panzer diente: eine Lyra. Dann zog er fort, um im Schutz der Nacht die Rinderherde seines Bruders Apollon* zu stehlen. Dabei zerrte er die Tiere an den Schwänzen in eine Höhle, so daß die Spuren vom Versteck wegzuführen schienen. Um sich ein paar Steaks grillen zu können, erfand er flugs noch ein Feuerzeug, stillte seinen Hunger, beseitigte alle Spuren, schlich heim und schlüpfte in seine Wiege. Hätte ihn nicht ein alter Bauer bei Apollon verraten, wäre dieser wohl lange umsonst herumgeirrt. Doch so fand er das Baby, ins Bettchen gekuschelt und scheinbar sanft schlafend: »Kleiner«, sprach er zu ihm, »du da in der Wiege, sag an, wo sind meine Rinder? Gleich gibt's scheußlichen Ärger; ich packe und werf' dich tief in den Tartaros ...« Sofort schwor Hermes einen heiligen Eid, er wisse überhaupt nichts von Rindern, und selbst vor den olympischen Göttern log er unverschämt weiter. Zeus mußte darüber lachen und gebot, er solle nun endlich seinem Bruder die Rinder zeigen. Das tat Hermes auch, doch als er seine Erfindung, die Lyra, vorführte, war Apollon so faszi-
niert, daß er sie als Preis für die gestohlenen Tiere nahm und sich mit dem Dieb versöhnte, ja ihm sogar noch einen goldenen Zauberstab schenkte (Homerischer Hymnos 4, an Hermes). Mit diesem Stab versenkt Hermes, wen er will, in tiefen Schlaf, mit ihm schickt er Träume, mit ihm geleitet er aber auch die Toten in die Unterwelt, er ist sein Abzeichen, wenn er als Götterbote Aufträge überbringt. Damit das rasch geschieht, trägt er Flügelschuhe. Weitere typische Attribute des Hermes sind der Reisehut und der Geldbeutel – der weist ihn als Gott des glücklichen Fundes und des raschen Gewinns aus; Diebe und Händler verehrten ihn entsprechend eifrig. Umgekehrt schützt und segnet Hermes Haus und Hof; überall in Griechenland standen steinerne »Hermen«, Pfeiler mit dem bärtigen Haupt des Gottes, mit dem unübersehbaren Attribut seiner Männlichkeit und mit Armstümpfen, an denen man Kränze als Weihegaben aufhängen konnte.
Hermes, der Rinderdieb, war zugleich der Beschützer der Herden und Vater des Hirtengotts Pan*; als cleveren Wortverdreher verehrten ihn die Redner, die Philologen nannten nach ihm die Kunst der Textauslegung »Hermeneutik«, und in der Spätantike wurde der »Dreimalgrößte« Hermes Trismegistos durch Verschmelzung mit dem ägyptischen Weisheitsgott Thot zum Schutzpatron der Astrologen, Okkultisten und
Spintisierer. Auf die damals entstandenen »hermetischen« Schriften mit ihrem verwirrenden Gemisch aus Zauberei und Geheimreligion geht das Fremdwort »hermetisch« (verschlossen) zurück.
Die Astronomen bedachten den Planeten, der am schnellsten die Sonne umrundet, die Alchimisten das augenscheinlich »lebendige« Element Quecksilber mit dem römischen Namen des Hermes, Mercurius, den wir vor allem mit Handel und Wandel assoziieren. Zahlreiche Hotels, Vereine usw., die sich Merkur nennen, beweisen es. Der Vielseitigkeit des Hermes entsprechen die vielen – in der Regel freilich untergeordneten – Rollen, die er im Epos, im Drama und in der lyrischen Dichtung spielt. Er hilft seinem Vater Zeus wirksam bei Liebesabenteuern, zum Beispiel mit Europa* und Alkmene*, führt Persephone*, Orpheus* und Eurydike* auf ihrem Weg aus der Unterwelt, bringt die von ihm mit wenig liebenswerten Eigenschaften ausgestattete Pandora* bei Epimetheus* an den Mann, berät Perseus* bei seinem Abenteuer mit Medusa* und Odysseus* auf seinem Weg in den Palast der Kirke*, befreit mit List den eingesperrten Ares*, tötet Argos* – kurz, er ist ein göttlicher Tausendsassa. Seine erste Diebestour hat Sophokles in dem Satyrspiel ›Ichneutai‹ (Die Spürhunde) um 450 v. Chr. auf die Bühne gebracht; im ›Amphitruo‹ des Plautus (um 200 v. Chr.) erleben wir ihn als Doppel-
gänger des Sklaven Sosia, in Lukians Dialog ›Charon‹ (um 160 n. Chr.) als Gesprächspartner des Totenfährmanns.
Von den antiken Statuen des Hermes ist die des Praxiteles (4. Jahrhundert v. Chr., Olympia, Museum), die ihn mit dem kleinen Dionysos auf dem Weg zu den Nymphen zeigt, wohl die bekannteste. Einen ruhenden Hermes aus Herculaneum (um 330 v. Chr.) besitzt das Archäologische Museum in Neapel, einen Hermes Logios in Rednerpose die Villa Ludovisi in Rom. Als Gegenstück zu seinem Herkulesbrunnen schuf um 1600 Adriaan de Vries für Augsburg einen Merkurbrunnen; eine etwas ältere Bronzegruppe desselben Künstlers, ›Merkur und Psyche‹, befindet sich im Louvre zu Paris. In der Malerei wurden bevorzugt Szenen nach Ovid behandelt, zum Beispiel der Tod des Argos* oder Merkurs Liebesgeschichte mit Herse*, sofern man den Gott nicht eher allegorisch sah. Als Beispiel genannt sei Peter Paul Rubens. ›Merkur‹ (um 1636, Madrid, Prado).

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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